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Ergebnis Konjunkturumfrage 2009 :: Konjunkturumfrage 2009 - Statement Präsident Carl Jakob

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der heutigen Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise möchten wir zunächst einmal einen Blick in das vergangene Jahr 2008 werfen.

Nach neuesten Berechnungen des Statistischen Landesamtes wird das Bruttoinlandsprodukt des Saarlandes für das Jahr 2008 auf 31,2 Milliarden Euro veranschlagt. Wie das Amt mitteilt, waren dies nominal 3,0 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Preisbereinigt ergibt sich ein reales Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Damit verlief die Konjunktur im Saarland nominal und real besser als im Durchschnitt aller Bundesländer. In ganz Deutschland wuchs die Wirtschaft nominal um 2,7 Prozent, real um 1,3 Prozent.

Anders als im Jahr 2007 konnte der saarländische Einzelhandel, in seiner Gesamtheit betrachtet, vom allgemeinen Wirtschaftswachstum leicht profitieren. Nach einer von uns im Januar und Februar 2009 durchgeführten Umfrage konnte der Einzelhandel an der Saar den Umsatz leicht um 0,7 Prozent steigern. Das heißt allerdings nicht, dass alle Betriebe Umsatzzuwächse zu verzeichnen hatten. Nur etwas mehr als 39 Prozent der befragten Unternehmen konnten ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr steigern. Dieses sind immerhin rund 18 Prozent mehr Unternehmen als ein Jahr zuvor.

Bei den Fachgeschäften haben im vergangenen Jahr mehr Betriebe einen schlechteren Umsatz erzielt als in 2007. Was die Umsatzentwicklung anbelangt, haben die Fachgeschäfte mit einem leichten Plus von 0,6 Prozent ähnlich abgeschnitten, wie der gesamte saarländische Einzelhandel. Das Statistische Landesamt Saarland weist in seinen vorläufigen Berechnungen für das Jahr 2008 ein höheres nominales Umsatzplus von 4,2 Prozent für den Einzelhandel ohne Kfz-Handel und Tankstellen aus. Das entspricht einem realen Plus von 1,3 Prozent. Dies können wir allerdings aufgrund unserer Umfrage nicht nachvollziehen.

Schaut man nun auf die einzelnen Branchen des Handels, so können wir ebenso wie das Statistische Landesamt die stärksten Rückgänge im Bereich Textilien und Bekleidung feststellen. Günstiger verlief das Jahr 2008 für den Fachhandel mit elektrischen Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik. Insgesamt aber konnten wir, wie schon in den Vorjahren, feststellen, dass es keine Branchenkonjunkturen mehr, sondern Firmenkonjunkturen gibt. So war auch die Bandbreite der angegebenen Veränderungsraten innerhalb der einzelnen Branchen sehr groß.

Im vergangenen Jahr hatten wir an dieser Stelle ein nominales Umsatzplus von etwa einem Prozentpunkt für den saarländischen Einzelhandel prognostiziert. Dies ist nach dem Ergebnis unserer Umfrage auch in etwa eingetreten. Dass es letztlich dazu kam, ist dem Umstand zu verdanken, dass im Laufe des Jahres 2008 die zunächst hohen Lebenshaltungskosten etwas zurückgingen. Im vierten Quartal hatten sich die Preise insbesondere für Energie und Lebensmittel stabilisiert und haben dafür gesorgt, dass die Verbraucher wieder etwas mehr Geld für den Konsum übrig hatten und somit das Weihnachtsgeschäft für die Mehrzahl der Betriebe zufrieden stellend verlaufen ist.

Was uns Sorgen bereitet ist, dass das Ergebnis unserer Umfrage ergeben hat, dass der Ertrag bei einer Vielzahl von Unternehmen nicht verbessert werden konnte, sondern im Gegenteil weiter zurückgegangen ist. Fast die Hälfte der Unternehmen hat, nach einem ertragsmäßig schlechtem Jahr 2007, noch einmal Einbußen hinnehmen müssen. Dies wird sicherlich, auch im Hinblick auf die Entwicklungen in diesem Jahr, das ein oder andere Unternehmen dazu zwingen den Geschäftsbetrieb einzustellen.

Nach unserer Konjunkturumfrage planen mehr Betriebe in diesem Jahr Personalreduzierungen vorzunehmen. Insgesamt sagen dies 18,2 Prozent der befragten Unternehmen. Aber immerhin planen auch 22,1 Prozent Neueinstellungen. Im Jahr 2008 haben 9,7 Prozent der befragten Unternehmen mehr Vollzeitkräfte und 12,3 Prozent mehr Teilzeitkräfte gegenüber 2007 beschäftigt. Leider haben aber auch 9,7 Prozent der befragten Unternehmen Vollzeitkräfte und 16,9 Prozent der Unternehmen Teilzeitkräfte abgebaut.

Die Ausbildung bleibt weiterhin ein positiver Bereich. Der saarländische Einzelhandel weist weiterhin eine hohe Ausbildungsbereitschaft auf. Im vergangenen Jahr konnten für den Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel 488 neue Ausbildungsverträge verzeichnet werden. Im Ausbildungsberuf Verkäufer/Verkäuferin lag die Anzahl bei 313 neuen Verträgen. Die Zahlen liegen zwar leicht unter den Werten des Vorjahres, zeigen aber auf, dass der saarländische Einzelhandel weiterhin seiner gesellschaftlichen Verpflichtung, Ausbildungsplätze bereit zu stellen, mehr als gerecht wird. Aber auch im vergangenen Jahr konnten in 2008 nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Die Unternehmen bemängeln in diesem Jahr insbesondere, dass einige Bewerber sehr kurzfristig ihre Zusage zurückgezogen haben und dadurch die Stelle nicht mehr durch weitere qualifizierte Bewerber besetzt werden konnte, da diese bereits bei anderen Unternehmen Ausbildungsverträge eingegangen waren und andere Bewerber nur eine mangelnde Qualifikation vorweisen konnten. Die Ausbildungsbereitschaft bleibt auch in diesem Jahr hoch, liegt aber mit 59 Prozent der Ausbildungsbetriebe, die auch in diesem Jahr wieder Ausbildungsplätze anbieten werden, etwas niedriger als im vergangenen Jahr. Wir können daher im Moment noch nicht versprechen, dass der Einzelhandel das sehr gute Ausbildungsplatzangebot in 2009 noch einmal erreichen kann. Aber eines zeigt dies auch, der saarländische Einzelhandel wird auch weiter in den Nachwuchs investieren, auch wenn die wirtschaftliche Situation schwieriger wird.

Das Umsatzergebnis 2008 wäre vielleicht noch etwas besser ausgefallen, wenn nicht im September des vergangenen Jahres die Finanzmarktkrise in einer kaum geahnten Dimension ihren Lauf genommen hatte. Was bei den Banken begonnen hat, reißt als Wirtschaftskrise in einer Art Dominoeffekt die Realwirtschaft mit. Sie hat auch irgendwann Auswirkung auf den Einzelhandel. Wir wissen, dass es in diesem Jahr für den Einzelhandel schwierig werden kann. Wir kennen aber weder den Zeitpunkt, noch kennen wir den Schwierigkeitsgrad.

Für einige Einzelhandelunternehmen dürfte sich die Lage in diesem Jahr verschärfen. Ursache ist nicht nur die Wirtschaftskrise sondern vor allem die Unternehmenssteuerreform. Dies belegt auch eine Studie die unser Bundesverband HDE in Zusammenarbeit mit PriceWaterhouseCoopers vor kurzem vorgelegt hat. Keine andere Branche wird ähnlich massiv durch die Unternehmenssteuerreform belastet wie der Handel. Dies wird sich besonders in diesem für die Wirtschaft schwierigen Jahr zeigen. Bereits vor zwei Jahren hatten die Einzelhandelsverbände mit dem DIHK aufgezeigt, dass die Folgen für die mittleren und kleineren Handelsbetriebe fatal sind. Die besondere Belastungsintensität und die höchste Gefahr für Strukturen und Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche resultieren aus der Hinzurechnung von Mieten, Pachten und Leasingraten für Immobilien, im stationären Einzelhandel üblicherweise das Ladenlokal. Nach der Studie werden über Drei Viertel der Handelsunternehmen schlechter durch die Unternehmenssteuerreform gestellt. In Einzelfällen liegt sogar Substanzbesteuerung vor. Auch Unternehmen, die Verluste machen, müssen nun häufiger Steuern zahlen. Ohne ein angemessenes und ansprechendes Ladenlokal ist der stationäre Einzelhandel nichts. Die Kosten für die Verkaufsfläche in der richtigen Lage nun der Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer zuzuschlagen, trifft daher die gesamte Branche im Kern.

Auch das von der Bundesregierung vorgelegte Konjunkturpaket bringt dem Einzelhandel wenig. Die beschlossenen Steuer- und Abgabesenkungen fallen zu gering aus, um den Konsum nennenswert zu stärken. Das Konjunkturpaket nutzt nur einzelnen Branchen. Ob es der Binnenwirtschaft den dringend benötigten Schub geben kann, ist mehr als fraglich. Bei der Senkung der Sozialabgaben wäre weit mehr möglich gewesen. So hätte der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung durch Verzicht auf den verfassungswidrigen Eingliederungsbetrag um weitere 0,6 Prozentpunkte gesenkt werden können. Um 0,3 Prozentpunke könnte der Beitrag zur Rentenversicherung verringert werden. Hierdurch würden Arbeitnehmer und Unternehmen dauerhaft um insgesamt 7,5 Milliarden Euro entlastet.

Kommen wir zur Prognose 2009 für den Einzelhandel im Saarland. In den ersten Wochen des Jahres ist der Konsum nicht so eingebrochen, wie es manch einer befürchtet hatte. Hierzu mag unter anderem dazu beigetragen haben, dass die Auszahlung der Pendlerpauschale vielen Arbeitnehmern noch etwas Geld in die Taschen gespült hat. Zum anderen haben sich die Energiepreise auf wieder niedrigrem Niveau eingependelt. Auf der anderen Seite sind aber immer mehr Unternehmen der Wirtschaft Opfer der Finanzkrise geworden. Die Kurzarbeit ist im Saarland derzeit bundesweit am höchsten. Das heißt aber auch, dass die betroffenen Arbeitnehmer immer noch in Lohn und Brot stehen, allerdings kurzfristig über ein geringeres Einkommen verfügen. Auf der anderen Seite können die deutschen Verbraucher alle Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft derzeit offenbar nicht schrecken. Das Konsumklima hat sich im Februar sogar leicht verbessert. So lautet jedenfalls das Fazit der monatlichen Studie, die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) präsentiert wurde. Der Index für das Konsumklima kletterte von 2,2 Punkten im Vormonat auf 2,3 Punkte im Februar. Für den März prognostizierte die GfK nun einen Anstieg auf 2,6 Punkte. Für den Aufwärtstrend sind Verbesserungen bei den Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Befragten verantwortlich. „Eine Inflationsrate von zuletzt unter einem Prozent sowie die Abwrackprämie für Altautos stützen momentan die Verbraucherstimmung. Die Konsumenten sehen ihre Kaufkraft gestärkt und schätzen folglich ihre Einkommensaussichten optimistischer ein,“ erläuterte das Forschungsinstitut.

Ausgesprochen überraschend erscheint die Tatsache, dass auch die Konjunkturerwartung optimistischer ausfiel als im Vormonat. Die Anschaffungsneigung, der dritte Faktor, der in die Berechnung des Konsumklimas einfließt, blieb im Februar weit gehend stabil. Die GfK ermittelte nur einen leichten Rückgang von 15,5 auf 14,6 Punkte. Damit habe sich „das überaus gute Vormonatsniveau des Indikators fast in vollem Umfang bestätigt“, hieß es. Dies bedeutet, dass erst einmal die Voraussetzungen für den Einzelhandel nicht schlecht sind: Die verfügbaren Einkommen werden 2009 angesichts steigender Löhne und monetärer Sozialleistungen trotz Beschäftigungsabbau steigen. Die Sparquote wird nach unserer Einschätzung stagnieren, möglicherweise sogar leicht zurückgehen. Die Verbraucherpreise insgesamt werden voraussichtlich um etwa ein Prozent steigen. Die Einzelhandelspreise sehen wir in diesem Jahr im Durchschnitt bei unter ein Prozent. Gegenüber dem Vorjahr werden die privaten Konsumausgaben deshalb voraussichtlich sogar leicht steigen. Dies alles bestärkt uns in unserer Erwartung, dass der Einzelhandel im ersten Halbjahr 2009 das Vorjahresniveau in etwa halten kann. Wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht, hängt entscheidend vom Arbeitsmarkt ab. Kommt es zu einer deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit im Saarland, wird dies den Konsum voll treffen. Für das zweite Halbjahr 2009 rechnen wir mit einer etwas schlechteren Umsatzentwicklung. Der Abwärtstrend könnte nicht so stark sein, wie viele vermuten, weil Unternehmen und Arbeitsmarkt heute besser aufgestellt sind als in der Rezession nach 2001. Deshalb dürfte sich der nominale Einzelhandelsumsatz 2009 im Saarland insgesamt in einem Korridor von nominal Null bis minus ein Prozent bewegen. Real bedeutet dies aber ein Umsatzverlust.

Auch unsere Mitgliedsunternehmen sind etwas weniger optimistisch als noch zu Beginn des vergangenen Jahres, was die Entwicklung ihres eigenen Umsatzes im Jahr 2009 betrifft. Die Mehrzahl, mit 41,1 Prozent der Unternehmen, erwartet einen Umsatzrückgang. Mit einer Stagnation und etwa gleich bleibendem Umsatz rechnen 28,9 Prozent. 29,9 Prozent sind weiter optimistisch und rechnen für ihr Unternehmen mit einer Umsatzsteigerung.

Die Finanzkrise hat aber auch schon erste Auswirkungen auf die Unternehmen des Einzelhandels. So wird die Aufnahme von Krediten immer schwieriger. Zwar kann noch nicht von einer allgemeinen Kreditklemme gesprochen werden, aber fast 50 Prozent der Fachgeschäfte haben in unserer Umfrage bekundet, dass die Kreditaufnahme in den vergangenen zwölf Monaten schwieriger geworden ist. Dies bedeutet auch, dass größere Investitionen jetzt auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden und einige Firmen Probleme haben kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Welche Auswirkungen dies haben wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

In diesem Jahr haben wir ein sogenanntes Superwahljahr. Das eben gesagte beschäftigt auch eine Mehrzahl unserer Mitgliedsbetriebe. Sie wünschen sich von der Politik eine stärkere Förderung der kleinen und mittelständischen Betriebe und eine Entlastung für den Mittelstand. Ebenso fordern sie eine stärkere Steuer- und Abgabenentlastung für die Konsumenten und Unternehmen, so dass die Verbraucher wieder mehr Netto vom Brutto haben. Dies wird sich dann auch wieder positiv auf den Konsum auswirken und gleichzeitig würden die Unternehmen durch geringere Lohnnebenkosten entlastet, was wiederum zu einer Sicherung der Arbeitsplätze im Einzelhandel führt.


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